Donnerstag, 4. Mai 2017

[Filmbesprechung] Sieben Minuten nach Mitternacht

Wer taucht nicht gerne mal in eine Traumwelt ab? Erschafft sich im Schlaf sein eigenes Wunderland, das zum Staunen, aber auch zum Gruseln einlädt. Conors Nächte sind allerdings eher vom Grusel geprägt und lassen das Wunderliche schnell in den Hintergrund geraten. Um sieben Minuten nach Mitternacht erscheint immer wieder ein Monster, welches ihm insgesamt drei Geschichten erzählen wird. Alle diese Geschichten laufen auf ein unausweichliches Ereignis heraus, welches Conor um jeden Preis abwenden möchte.


HANDLUNG
In Conors Leben jagt ein Albtraum den nächsten, da scheint es schwer Realität und Fiktion voneinander zu unterscheiden. Seine Mutter ist schwer krank und da sein Vater in Amerka lebt, bleibt ihm nichts anderes übrig als zu seiner strengen Großmutter zu ziehen, damit seine Mutter sich erholen kann. Als wäre dies nicht genug für einen Jungen, wird Conor in der Schule psychisch und physisch gemobbt. All diese Qualen sind zu viel für den kleinen Conor und so kommt das Monster, welches ihm nachts um sieben Minuten nach Mitternacht Geschichten erzählt, genau richtig - quasi als das Sahnehäubchen auf seinem Leben.

ROMANVORLAGE
Siobahn Dowd hat mit ihrer Idee begonnen und das Monster in ihren Gedanken um sieben Minuten nach Mitternacht erscheinen lassen. Eine Geschichte über das Erwachsen werden. Momente in denen Albträume schlimmer sind als Monster. Durch ihren frühen, tragischen Krebstod blieb ihre Idee lediglich ein Gedanke, dem es verwehrt blieb eine Geschichte zu werden. 

Patrick Ness hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Idee seiner Kollegin in eine eigene Geschichte umzuwandeln. Seine Umsetzung hat ihm diverse Auszeichnungen beschert, dazu gehören unter anderem die Carnegie Medal, der Katie Greenaway Award und der deutsche Jugendliteraturpreis 2012. 

MEINUNG
Im Rahmen der Pressevorschau durfte ich bereits im Dezember die Buchverfilmung erleben. Endlich ist es soweit und der Erscheinungstermin hat es auch in unsere Kinos geschafft. Es hat eine gefühlte Ewigkeit gedauert, aber das Warten hat sich gelohnt. Ein schöner und trauriger Film, der mir nicht nur eine Träne abverlangt hat. Unglaublich herzzerreißend. Wer die Zeit hat, sollte einen Abend im Kino einplanen, denn es handelt sich um eine wirklich wunderschöne Buchverfilmung.

"Weißt du es denn nicht längst?"

Conor zieht sich durch eine erschaffene Fanatasiewelt aus seiner düsteren Realität zurück. Der Regisseur hat die Verschmelzung zwischen den beiden Welten wunderbar verknüpft. Besonders die Geschichten des Monsters waren durch ihre Aufmachung schön abgegrenzt und haben mir unglaublich gut zugesagt. Eine Art Schattenspiel in einer Wasserfarbenwelt, die langsam verläuft. Besonders da Conor leidenschaftlich gerne zeichnet und malt, wirkt die Erschaffung der Geschichten durch das Malen auf der Leinwand stimmig und ist passend in den Film eingebettet worden.

"'Geschichten sind das Gefährlichste von der Welt,' knurrte das Monster. 'Geschichten jagen, beißen und verfolgen dich.'"

Das Monster selbst erinnert stark an Groot - da fällt mir ein, dass ich dieses Wochenende vielleicht in Guardians of the Galaxy Vol.2 könnte - dennoch ist das Monster völlig eigenständig und es steckt noch einiges mehr an Bedeutung dahinter. Sowohl in der Geschichte des Monsters, als auch in der Realität wird die Baumsorte aufgegriffen. Gesprochen wird das Monster in der englischen Originalversion von Liam Neeson. Seine Stimme finde ich einfach grandios und ich hätte den Geschichten des Monsters gerne noch länger gelauscht. Wer die Chance hat den Film in OV zu schauen, dann kann ich diese nur empfehlen.

"'Ich wünschte, ich hätte hundert Jahre', sagte seine Mutter ganz leise. 'Hundert Jahre, nur für dich.'"

Neben Liam Neeson bereichert auch sonst eine großartige Besetzung den Film. Sigourney Weaver, Felicity Jones und Lewis MacDougall interagieren wunderbar zusammen und tragen zur tollen Grundstimmung des Films bei. Gerade in einem solch eher ruhigen Film, in dem die Geschichte im Vordergrund steht, ist es wichtig, dass die Charaktere gut zusammenspielen. Glücklicherweise wurde dies hier gut umgesetzt. Überzeugt euch doch im Kino selbst.

"'Hier ist das Ende der Geschichte,' sagte das Monster hinter ihm. 'Was soll ich jetzt tun?', flüsterte Conor. 'Du brauchst nur die Wahrheit auszusprechen,' sagte das Monster, 'Ich habe Angst davor', sagte Conor. 'Natürlich hast du Angst,' sagte das Monster und schob ihn langsam vorwärts. 'Und trotzdem wirst du es tun.'" 

HINWEIS! Die oben aufgeführten Bilder wurden dem Presseserver von Studiocanal entnommen. Alle Bildrechte liegen bei der Studiocanal GmbH.

TL;DR
Eine wunderschöne Buchverfilmung einer wilden und ergreifenden Geschichte über das Kindsein und die Notwendigkeit loszulassen. Ein Film, der zu Tränen rührt.

Kommentare:

  1. Oh, das Buch steht schon seit Jahren auf meiner Wunschliste, aber bisher habe ich es einfach nicht geschafft, es zu lesen.
    Die Verfilmung klingt ebenfalls toll!

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    1. Hallo Cora,

      der Film war auch wirklich sehr schön. Deine Chance in die Geschichte reinzuschnuppern und vielleicht hast du danach ja noch Lust das Buch von deiner Wunschliste zu befreien und so einer schönen Geschichte ein tolles Zuhause zu liefern. :D

      Liebe Grüße
      Patty

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