Montag, 3. Oktober 2016

[Montagsrezension] Eierlikörtage von Hendrik Groen

Die Frankfurter Buchmesse begrüßt dieses Jahr Tulpen, Windmühlen und Kroketten, denn Flandern und die Niederlande sind zu Gast. Besonders Kroketten haben mich auch bei meiner letzten Lektüre begleitet. Was wäre auch das Tagebuch eines niederländischen Senioren ohne Kroketten? Hendrik Groen hat mich mit seinem Tagebuch mitten nach Amsterdam geholt und ein wenig niederländischen Charme spielen lassen. Eierlikörtage heißt das geheime Werk und ist nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden - es wäre auch ein Jammer, wenn es in einer Schublade verstaubt wäre.


INFOS ZUM BUCH
Originaltitel: Pogingen iets van het leven te maken.
Het geheime dagboek van Hendrik Groen, 83 1/4 jaar
Deutscher Titel: Eierlikörtage.
Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre
Autor: Hendrik Groen (Pseudonym von Peter de Smet)
Übersetzung: Wibke Kuhn
Genre: Roman
Hardcover: 416 Seiten
ISBN: 978-3-492-05808-7
Preis: 22,00 €
Verlag:
Bildergebnis für piper verlag

INHALT
Hendrik Groen ist alt, aber nicht tot. Sein Leben im Seniorenheim langweilt ihn und er möchte endlich etwas erleben - bevor es zu spät ist. Gemeinsam mit neuen und alten Freunden erlebt er ein für ihn durchaus spannendes Jahr jenseits von Kaffeetafeln. Einfach nur dahinvegetieren kommt für ihn nicht in Frage. Sein Tagebuch soll ihm dabei helfen endlich mal alles rauszulassen und einen ungeschönten Blick auf das Leben eines Rentner liefern. Erfahrungen mitten aus der Realität

MEINUNG
In den Niederlanden war das geheime Tagebuch von Hendrik Groen ein Überraschungserfolg. Jetzt hat es Hendriks Leben zu Recht über die Grenze geschafft. Peter de Smet hat unter seinem Pseudonym eine realistische Welt geschaffen, die einem viel über das Altwerden nachdenken lässt. Zwar habe ich noch eine ganze Weile Zeit bis zu meinem 84. Geburtstag, aber dennoch musste ich sofort darüber nachdenken wie es später mal um Seniorenheime bestellt sein könnte. Die derzeitigen Zustände in niederländischen Seniorenheimen werden kritisch beäugt und der Umschwung zum Pflegeheim zum Thema gemacht. Allgemein werden häufig gesellschaftskritische Themen angesprochen und gerne mit Humor gepaart. Mich hat Hendriks trockene Art ständig zum Schmunzeln gebracht.

"Auch im neuen Jahr hab ich für Senioren nichts übrig. Dieses Geschlurfe hinter Rollatoren, diese völlig deplatzierte Ungeduld, dieses ewige Gejammer, diese Kekse zum Tee, dieses Geseufze und Gestöhne." ~ S. 5

Ich liebe Sarkasmus und Witze dürfen gerne nicht sofort ersichtlich sein. Hendrik hat die perfekte Mischung zwischen Kritik und Humor getroffen und mich sofort in seinen Bann gezogen. Zwar habe ich es ein wenig vermisst herzhaft zu lachen, aber Schmunzeln musste ich ständig. In einem Seniorenheim ist der Tod natürlich ein ständiger Begleiter, wodurch es nicht nur lustig zu ging. Hendriks Tagebuch erfasst ebenfalls traurige Momente, aber gerade das macht den Charme des Buches aus. Es wird eben nicht nur Friede, Freude und Eierkuchen geliefert, sondern ein schonungslos ehrlicher Blick auf das Leben im Alter. Vielleicht sollten mehr Jugendliche zu diesem Buch greifen, um den verlorenen Respekt vor dem Alter zurückzuerlangen.

"Auch wenn das ein bisschen seltsam ist, denn es wird hier ja nicht besser, weil es anderswo schlechter ist. Als ob man auch noch dankbar sein müsste, wenn man nicht drei Tage am Stück in seiner vollgeschissenen Windel liegt." ~ S. 113

Hendrik und seine Freunde hätten es auf jeden Fall verdient. Sie mischen den tristen Alltag nochmal so richtig auf, denn an Langeweile sind sie nicht interessiert. Besonders Evert hat eine rebellische Ader und Hendrik beneidet seinen Freund darum nur allzu oft. Aber auch die anderen Senioren des Clubs Alanito (Alt-aber-nicht-tot) haben es Faust dick hinter den Ohren. Eine sympathische Gruppe, deren Lebensfreude sie voll ausleben - auch wenn die Unternehmungen altersgerecht sind. Die weiteren Charaktere mit kleineren Nebenrollen sind ebenfalls spannend dargelegt. Man erfährt überraschende Details aus vielerlei Leben.

"Entschuldigen Sie, dass ich diese Sache ein bisschen grob schildere, aber ich kann die Wirklichkeit nicht anders machen, als sie ist: traurig, hart und gleichzeitig zum Lachen." ~ S. 406

Ein wenig vermisst habe ich den Eierlikör als Titelgeber, aber dieser musste Platz für Weißwein, Rotwein, Bier und härtere Spirituosen machen. Holla die Waldfee, an Alkohol sparen die Senioren wahrlich nicht. Vermutlich sollte der viele Alkohol den trockenen Humor runterspülen, damit dieser nicht im Halse stecken bleibt. Hat funktioniert. Mich konnte Hendriks Leben auf jeden Fall begeistern. Die Probleme des Alterns wurden witzig dargestellt, aber auch vor traurigen Momenten wurde nicht halt gemacht. Eine tolle Mischung.

Wie habe ich das Buch erhalten? Für meinen Sponsored Post zum WhatsApp-Gewinnspiel vom Piper Verlag habe ich ein Exemplar erhalten, welches ich verlost habe. Meine Neugierde ist aber so groß gewesen, dass ich mir selbst auch eine Ausgabe von Hendriks Tagebuch gegönnt habe.

Warum habe ich das Buch gelesen? Aufmerksam geworden bin ich durch das oben erwähnte Gewinnspiel. Ich wollte mehr über Hendrik erfahren. Für jemanden, der so neugierig ist wie ich, ist ein geheimes Tagebuch geradezu perfekt.

FAZIT
Mich konnte Hendriks Leben auf jeden Fall begeistern. Die Probleme des Alterns wurden witzig dargestellt, aber auch vor traurigen Momenten wurde nicht halt gemacht. Eine leichte und unterhaltsame Lektüre für alle die trockenen Humor zu schätzen wissen, aber auch von berührenden Momenten nicht abgeschreckt sind.

Kommentare:

  1. Hallöchen liebe Patty,
    eine tolle Rezension! Ich habe das Buch selbst nicht gelesen, aber interessiert hat es mich eigentlich auch. D: Vielleicht sollte ich doch nochmal danach greifen und zumindest mal reinlesen. Und ja .. vor allem Alkohol machen die Alten Herrschaften keinen Halt. xD Ich habe 2 Jahre im Altenheim gearbeitet. Man war das immer ein Fest, wenn es Alkohol gab. ;)

    Liebst, Lotta

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    1. Hi Lotta,

      mir hat das Buch wirklich gut gefallen. Es ist mal etwas anderes einen grauen Protagnoisten bei seinen täglichen Spazierfahrten auf dem Scooter zu begleiten. ;) Man muss nur Bedenken, dass es wirklich nach einem realistischen Alltag klingt - man sollte also nicht zu viel Action erwarten, sondern es geht schon eine Nummer ruhiger zu.

      Liebe Grüße
      Patty

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  2. "Die Frankfurter Buchmesse begrüßt dieses Jahr Tulpen, Windmühlen und Kroketten" - ohohoh Patty, da muss ich aber nochmal ein ernstes Wörtchen mit dir Reden ;P bzw. dir auf der Messe beweisen, dass die Niederlande mehr zu bieten hat xD
    Und neben der Rezension mal wieder ein super schönes Buchfoto *.*
    Lg :*

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    1. Die lustigen Holzschuhe habe ich vergessen. Ach, und Fahrräder. :P Ne, quatsch. Aber mehr als drei Dinge aufzuzählen würde dann doch den Rahmen sprengen. ;) Übrigens finde ich diese Käse-Souffles noch genialer als Kroketten. Ich liebe sowieso frittierte Sachen und damit können die Niederlande kulinarisch auf jeden Fall punkten. :) Ich freue mich übrigens schon riesig auf die Messe. :D

      (Und pssst. Beim Foto wurde getrickst - in der Tasse ist Cola statt Kaffee. :O)

      Liebe Grüße
      Patty

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  3. Ein Pseudonym. Deswegen habe ich nichts herausgefunden :D Ich habe dieses Buch geliebt, und ich musste tatsächlich auch mal schallend lachen.
    Tolle Rezension!

    Cheerio,
    Mareike
    (Bücherkrähe)

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    1. Hi Mareike,

      ich hatte es auch nur durch Zufall entdeckt, dass es sich um ein Pseudonym handelt. Ich hatte, glaube ich, den niederländischen Wikipedia Artikel entdeckt. Das Tagebuch ist wirklich großartig und einfach wundervoll zu lesen.

      Liebe Grüße
      Patty

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