Donnerstag, 9. April 2015

[Rezension] In der Finsternis von Sandrone Dazieri

Wieder durfte ich einen Thriller lesen und konnte meine Eindrücke mit anderen in der Leserunde auf lovelybooks teilen. Der Italiener Sandrone Dazieri ist Drehbuchautor wodurch ich mir bei seinem Werk 'In der Finsternis' eine gewisse Lebendigkeit versprochen habe. Ob der Autor es geschafft hat mir realere Bilder im Kopf hervorzurufen als manch anderer Autor erfahrt ihr wie immer mit einem Klick.

"Dantes Gefängnis war nun so groß wie die Welt, aber er war immer noch ein Gefangener." ~ S.110

INFOS ZUM BUCH
Originaltitel:Uccidi il padre 
deutscher Titel: In der Finsternis
Autor: Sandrone Dazieri
Genre: Thriller
Hardcover: 560 Seiten
ISBN: 978-3-4920-5688-5
Verlag:
Bildergebnis für piper verlag

INHALT
Colomba ist Ermittlerin bei der Polizei. Nach einem schwerwiegenden Vorfall bei einem Einsatz muss sie mit einer posttraumatischen Belastungsstörung kämpfen und wurde vorübergehend beurlaubt. Doch ein aktueller Fall - Kindesentführung und Mord - bringt sie zurück zu ihrer Ermittlungsarbeit; ihre ehemaligen Kollegen sind jedoch alles andere als begeistert. Für ihren Chef springt sie dennoch über ihren Schatten und stürzt sich in den Fall, dabei stößt sie auf Dante, der selbst ähnliches erlebt hat und eine besondere Sichtweise auf den Fall hat. Er selbst wurde als Kind entführt und musste elf Jahre lang in Gefangenschaft in tiefer Finsternis ohne menschlichen Kontakt leben. Lediglich der 'Vater' hat ihn unterrichtet und ihm verdeckt von einer Sturmhaube Gesellschaft geleistet.
Die Ermittlungen führen die beiden zu einer unerwarteten Wendung. Dante ist fest davon überzeugt, dass es sich nicht um einen x-beliebigen Fall von Kindesentführung handelt. Es handelt sich um seinen Fall. Der 'Vater' ist nach Jahren wieder aufgetaucht und hat sich ein neues Opfer gesucht. Für Dante ist es nun persönlich, doch so wirklich glauben kann ihm niemand. Nicht einmal Colomba. Ist der 'Vater' wirklich zurück? Muss der Junge das gleiche Schicksal erleiden wie Dante, der sich nie wirklich von jahrelanger Folter und Finsternis erholen konnte? Projiziert Dante einfach nur zu viel von sich selbst in den Fall?


"In der Finsternis, die sie umgab und die durch die Erzählungen noch vertieft wurde, hatte Dante das Atmen fast eingestellt." ~ S.252

MEINUNG und FAZIT
Man merkt sofort, dass der Autor auch Drehbuchautor ist. Die Geschichte wirkt einfach lebendig und der Autor schafft es so reale Bilder im Kopf zu zaubern als würde man einen Spielfilm schauen. Auch andere Bücher schaffen es spannende Bilder in meinen Kopf zu setzen und versetzen mich in eine andere Welt oder Zeit. Allerdings schafft es Dazieri für mich auf eine ganz besondere Weise Bilder hervorzurufen die ständig in Bewegung sind. Dies liegt vermutlich daran, dass er eine sehr fesselnde und plastische Art der Darstellung wählt und seine Schreibweise alles andere als langweilig ist. Dazieri schafft es einfach den Leser in seinen Bann zu ziehen und auch dort zu halten. Alles um Dante ist so unglaublich geschickt, emotionsgeladen und interessant geschrieben. Seine Gefühle erzählen eine irre Geschichte und er kann Menschen auf eine Weise lesen und analysieren wie es wenige schaffen. Dante ist einfach eine klasse Figur, die wirklich komplex und intensiv ist. Durch seine schrullige Art war er mir sofort sympathisch und hat die Geschichte für mich zu etwas Besonderem gemacht. Ohne ihn wäre gerade der dritte Abschnitt schnell langweilig geworden; doch Dante schafft es mein Interesse zu erhalten und überbrückt auch langatmigere Stellen. Er ist einfach nicht der gewöhnliche verschrobene Kommissar, sondern ein wundervoll geschilderter Charakter. Aber auch Colomba ist ein sympathischer Charakter, welcher keine vorschnellen Entscheidungen und Vermutungen trifft. Sie weist nicht das typische Schubladendenken auf und lässt sich auch nicht von Dante beeinflussen. Genau das macht die beiden zu einem super Team. Durch die viele Ermittlungsarbeit handelt es sich bei 'In der Finsternis' für mich nicht für einen reinen Thriller und hat einen großen Krimianteil, aber die Spannung eines Thriller kommt definitiv nicht zu kurz. Für mich war die Geschichte sehr brutal und komplex; und hatte immer wirklich überraschende Wendungen parat. 

"Jedes Mal, wenn er eine Leiche den Bestattern überlassen musste, hatte der Vater das Gefühl, ein spannendes, gerade erst angelesenes Buch beiseitezulegen." ~ S.540 




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