Montag, 4. Juli 2016

[Montagsrezension] Die rote Königin von Victoria Aveyard

Die rote Königing von Victoria AveyardSchon wieder ein Buch aus dem Carlsen Verlag?
Liest die denn nichts anderes?
Ich sehe schon die vielen rollenden Augen vor den Rechnern. Aber ich kann einfach nicht anders. Mein SuB hat noch so viele wundervolle Werke aus diesem Verlag parat und es werden immer mehr. Der erste Band aus der Farben des Blutes-Reihe wartet nun schon eine ganze Weile auf mich und endlich habe ich Die rote Königin von Victoria Aveyard regelrecht verschlungen. Freitag ist nämlich der zweite Band mit dem Titel Gläsernes Schwert erschienen.

INFOS ZUM BUCH
Originaltitel: Red Queen
Deutscher Titel: Die rote Königin
Autorin: Victoria Aveyard
Übersetzung: Birgit Schmitz
Genre: YA - Dystopie
Hardcover: 512 Seiten
ISBN: 978-3-551-58326-0
Listenpreis: 19,99 €
Verlag:
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INHALT
In unserer Welt hat sich eine kleine elitäre Gruppe genetisch weiterentwickelt. In ihren Adern fließt silbernes Blut, welches ihnen übernatürliche Fähigkeiten - damit einhergehend Macht - verleiht. Diese Gruppe herrscht über die gewöhnlichen Menschen, den sogenannten Roten. Ihr rotes Blut macht sie schwach und so werden sie versklavt, um den Luxus der Silbernen zu gewährleisten.

"Ihr silberner Krieg wird mit rotem Blut bezahlt." ~ S. 52

Mare Barrow ist eine von den Roten und da sie keine Arbeitsstelle findet wird sie an ihrem 18. Geburtstag eingezogen. Wie ihre Brüder wird sie in den Krieg ziehen müssen und vermutlich an der Front ihren Tod finden. Durch eine flüchtige Bekanntschaft gelingt es ihr eine Woche vor der Einberufung tatsächlich eine Stelle am Hofe als Dienstbotin zu erhalten. Doch direkt an ihrem ersten Tag werden durch einen Unfall Mares Fähigkeiten in aller Öffentlichkeit offenbart. Dabei sollten Rote doch gar keine Fähigkeiten haben.
Die rote Königing - Victoria Aveyard - Wir erheben uns


MEINUNG
Dieses Buch hat mich nachts wach gehalten, weil ich es einfach nicht aus der Hand legen konnte. Nur noch dieses eine Kapitel; jetzt aber wirklich nur dieses eine noch. Ich hatte nämlich nicht das Gefühl, dass hier Handlungsstränge unnötig in die Länge gezogen wurden und dadruch passierten so viele spannende Dinge in den Kapiteln. Ich wollte natürlich sofort wissen, was für Konsequenzen die einzelnen Handlungen haben und musste deshalb einfach weiterlesen. Die Spannung ist allerdings mehr durch Entscheidungen gegeben als durch Action und Kampf. Zwischendurch fliegt zwar einiges in die Luft, aber diesen Momenten gilt sicherlich nicht die gesamte Aufmerksamkeit.

"Die Götter herrschen noch immer über uns. Sie sind von den Sternen herabgestiegen. Aber sie sind nicht mehr gütig." ~ S. 21

Besonders gut gefallen hat mir, dass die teilweise intuitiven und nicht gut durchdachten Handlungen auch als solche behandelt wurden. Man kann immer schlechte Entscheidungen treffen, aber dann müssen diese auch negative Konsequenzen mit sich ziehen. Diese Konsequenzen mussten nicht nur andere Charaktere ausbaden, sondern der Handelnde selbst. Jede gedankenlose Entscheidung Mares hatte somit Konsequenzen für sie; zwar trafen diese nicht immer unmittelbar ein, sondern es schien oftmals bis zum Ende alles gut zu gehen. Diese realistische Herangehensweise hat mich einfach überzeugen können, denn wer möchte schon in eine Welt eintauchen, die zwar grausam ist, aber für den Protagonistin sich alles scheinbar problemlos fügt?

"Im Märchen lächelt das arme Mädchen, wenn es Prinzessin wird. Ich weiß in diesem Moment nicht, ob ich je wieder lächeln werde." ~ S. 154

Dazu passte auch, dass Mare ihre Fähigkeiten langsam entdeckt und mit der Zeit stärker wird. Zu Beginn ist sie noch unerfahren und macht Fehler und diese sind ganz normal und gehören zur Entwicklung eines Charakters dazu. Einige Rezensionen, die ich gelesen hatte, kritisieren, dass Mare urplötzlich zum richtigen Zeitpunkt ihre Fähigkeiten bemerkt und zuvor nie damit in Berührung kam. Für mich war das aber keineswegs unrealistisch, denn es fanden sich genügend Erklärungen in der Geschichte (diese werden dem Leser nur nicht immer vorgekaut). Zum einen hat sie am Tag zuvor bereits einen Teil ihrer Fähigkeit demonstriert, allerdings lief dies für Mare eher unbewusst ab und somit wurde die Tat nicht auf ihre Fähigkeit zurückgeführt. Zum anderen hat Mare in einer Welt mit wenig Elektrizität gelebt und somit fehlte ein Auslöser für ihre Fähigkeit. Die kleine Blitzwerferin entsteht dadurch nicht ohne Grund aus dem Nichts. Für mich war diese Entwicklung durchaus plausibel und ein wenig darf der Autor ja immer das Timing manipulieren.

"Jeder kann jeden verraten." ~ S. 324

Für mich hat Aveyard eine tolle Herangehensweise gezeigt. Sie beschreibt ohne viel zu schwafeln. Man kann sich den Palast, das Dorf und die einzelnen Handlungsorte sehr gut vorstellen, obwohl hier nur das Nötigste beschrieben wurde und auf überflüssige Informationen verzichtet wurde. Für mich war dies genau der richtige Grad, um meine Fantasie zu lenken, aber nicht einzugrenzen. Die Charaktere sind für mich alles andere als flach und ich konnte ihre Entscheidungen verstehen, wenn auch nicht immer gut heißen. Mare ist nun einmal erst 17 Jahre alt und in dem Alter treffen wir doch alle oftmals falsche Entscheidungen - zumindest kann ich mich selbst sicherlich nicht davon freisprechen. Die beiden Prinzen waren mir auch auf ihre Weise sympathisch und auch wenn die Wendung am Ende irgendwie zu erahnen war, war ich dennoch überrascht. Bis zum Schluss wusste ich nicht wie das Liebesdreieck (oder sogar Viereck?) ausgehen könnte und das Ende war für mich gerade toll, da Mare sich für sich selbst entschieden hat. Ins Liebesviereck wollte sich noch Mares Kindheitsfreund Kilorn einbringen, aber irgendwie hat er nie so wirklich Zugang gefunden und er ist auch der Charakter, in welchen ich mich am wenigsten einfühlen konnte. Er war zwar nicht unsympathisch, aber irgendwie fehlte mir ein wenig mehr Tiefgang. Die restlichen Nebencharaktere haben diesen Tiefgang gezeigt, denn sowohl Mares Familie, als auch die rote Garde, haben es alle in meinen Kopf geschafft. Ich kann sie vor mir sehen und ihre Persönlichkeit erfassen. Meine liebste Nebencharaktere waren jedoch Julian und Lucas und besonders letzteren vermisse ich jetzt schon.

"Ich hab dir mal gesagt, dass du besser verbergen solltest, was in deinem Herzen vorgeht. Du hättest auf mich hören sollen." ~ S. 465

Die beiden Welten sind ebenfalls schön beschrieben worden und nicht zu klischeehaft. Wir haben auf der einen Seite die Silbernen, die durch ihre Fähigkeit Macht über die Roten haben. Durch die Arbeit der Roten können die Silbernen in Luxus leben. Hinter den Kulissen ist jedoch nicht alles wundervoll in der Welt der Silbernen, denn politische Intrigen, Verrat und Hass haben auch hier ihren Platz. Gut gefallen hat mir auch, dass die beiden Welten nicht als Gesamtkonstrukt gesehen werden. Es gibt nicht nur die Masse der schwachen Roten und die Masse der starken Silbernen. Innerhalb der Silbernen gibt es Menschen, die Mitleid mit den Roten haben und Gleichheit wünschen. Nicht alle in ihren Reihen sind von Macht verdorben worden. In der Gruppe der Roten gibt es einen Teil, der nach mehr strebt, denn sie sehen sich nicht als unterlegen und schwach. Die rote Garde möchte eine Revolution und riskiert dafür alles.
Die rote Königin von Victoria Aveyard

Wie habe ich das Buch erhalten? Eins der letzten Bücher, welches ich im Düsseldorfer Buchhaus Stern-Verlag gekauft habe. Leider hat diese riesige Buchhandlung im März schließen müssen. 

Warum habe ich das Buch gelesen? Die vielen positiven Meinungen und der entstandenen Hype um das Buch gingen nicht spurlos an mir vorbei. Und jetzt mal im Ernst: Dystopien gehen immer (noch habe ich mich nicht daran satt gesehen).

FAZIT 
Ein dystopischer Jugendroman mit starken Charakteren. Die Handlung war für mich durchweg spannend und temporeich. Für mich ein grandioses Lesevergnügen, auch wenn ich besonders dem Tod eines Charakters nachtrauere. Jedoch kann ich niemanden empfehlen zu Die rote Königin zu greifen, der jeden Handlungsstrang erläutert haben möchte und keine Lust hat seine Fantasie für Momente zwischen den Zeilen einzusetzen. Ich für meinen Teil muss mir schnellstmöglich den zweiten Teil besorgen.

Kommentare:

  1. Mir hat das Buch auch sehr gefallen, lese gerade den zweiten Teil �� ich finde, das hat ein bisschen was von Tribute von Panem - es spielt auch in einer Dystopie und Mare könnte ich mir auch bei den Hungerspielen vorstellen ��

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    1. Dystopien sind sich ja alle immer ein wenig ähnlich und besonders wenn Arenakämpfe hinzukommen passt es in das gleiche Schema. Dennoch hatte die Geschichte für mich genügend eigenständiges und ich muss mir ganz dringend den zweiten Teil kaufen. Wie gefällt es dir bis jetzt?
      (Ich stell' mir jetzt gerade Mare bei den Hungerspielen vor. Sie würde mit ihren Blitzen direkt die ganze Arena lahm legen und den Schutzschild durchbrechen. Das Kapitol wäre noch schneller gestürzt worden. Hat auf jeden Fall was. :D)

      Liebe Grüße
      Patty

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  2. Ich mochte das Buch zwar nicht ganz so gern, da es für mich irgendwie nicht aus dem breiten Jugendbuch-Fantasy-Pool herausstechen konnte, aber deine Fotos finde ich verstörend, im positiven Sinne :D

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    1. Vielen lieben Dank für deine netten Worte. Mit positiv verstörend kann ich nämlich gut leben. Schade, dass dir das Buch weniger zugesagt hat. Gerade der Anfang und das Ende waren für mich grandios, da Aveyard zu Beginn die Gegend wundervoll und facettenreich gestaltet. Zum Ende wurde es nochmal richtig spannend und es ist eben nicht alles "Sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende". Der Tod im Turm und wie (und gerade von wem) er ausgeführt wurde. Woah. Aber irgendwann ist man auch übersättigt und von daher kann ich deine Reaktion sehr gut nachvollziehen. Ich muss deswegen auch öfters mal zu anderen Genres greifen, um etwas Abstand zu gewinnen. :D

      Liebe Grüße
      Patty

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