Montag, 14. März 2016

[Montagsrezension] Wir kommen von Ronja von Rönne





Das heutige Buch hat mich zum Grübeln gebracht. Leider nicht über den Inhalt, sondern über mein Bewertungssystem. Je mehr Bücher ich rezensiere, desto schwieriger ist es eine klare Grenze in der Bewertung zu ziehen. Irgendwie hat mich Wir kommen von Ronja von Rönne in dieser Hinsicht wahrlich zur Verzweiflung getrieben - und zack war ich mit im Depressionstrott der Protagonisten. Was genau ich meine, erfahrt ihr am Ende der Rezension. Jetzt aber erst einmal zu meiner Rezension.




INFOS ZUM BUCH
Originaltitel: Wir kommen
Autor: Ronja von Rönne
Genre: Gesellschaftsroman
Hardcover: 208 Seiten
ISBN: 978-3-351-03632-4
Listenpreis: 18,95€ (auf buchhandel.de)
Verlag:
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INHALT
Maja ist Noras beste Freundin aus Kindheitstagen und plötzlich soll sie nicht mehr da sein. Denn Maja ist einfach so gestorben; ganz ohne Vorwarnung. Nora wirft das ziemlich aus der Bahn und auch sonst ist ihr Leben ziemlich chaotisch. Als ihr Therapeut auch noch in den Urlaub fährt und ihr rät ihr Erfahrungen in einem Tagebuch festzuhalten, lesen wir eben diese Einträge. Einträge über ihr Leben, dass so langsam aus den Fugen gerät. Wie Nora gemeinsam mit ihren drei Freunden mit denen sie in einer Viererbeziehung lebt ans Meer flüchtet, weil es sie dort immer hinzieht, wenn alles falsch läuft.

MEINUNG
Der Blog "Sudelheft" von Ronja von Rönne ist super unterhaltsam und dort schafft Rönne es mir mit wenigen Worten ein Schmunzeln ins Gesicht zu zaubern. Auf ihren ersten Roman war ich deswegen äußerst gespannt und freute mich schon sehr. Besonders das schlichte Cover hat mich sofort angesprochen, weil die Farben einfach ins Auge springen. Irgendwie simpel und dennoch genial. Auch die Idee, dass das Tagebuch der Protagonistin Nora, eben wie dieses Cover gestaltet ist, hat etwas Besonderes. Für mich war das so ein kleiner "Oh mein Gott! Ich lese wirklich ihr Tagebuch."-Moment. Ja, da bin ich echt leicht zu beeindrucken, aber manchmal kommt es halt auf die kleinen Dinge an.

Der Einstieg war gut und es fühlte sich an wie einen ihrer Blogeinträge zu lesen, aber eben in Romanform. Für das erste Viertel ging es noch ganz gut, aber irgendwie wird es dann anstregend. Man denkt sich nur "Halt! Stopp! Der Blogebeitrag müsste doch schön längst vorbei sein. Warum geht es denn noch weiter?" und es wird geschwafelt und geschwafelt ohne wirklichen Sinn. Ronja von Rönne schafft es viel zu reden ohne dabei irgendeine Aussage zu treffen. Sie versucht alles zu erklären. Die Protagonistin steht an einer roten Ampel? Dann philosophieren wir am besten darüber warum die Ampel rot ist. Zumindest hätte diese Szene so im Buch vorkommen können. Irgendwann ging mir das einfach unglaublich auf die Nerven und ich wollte, dass es einfach vorbei ist.

Zwar kam mir das Buch nach dem Lesen gar nicht so furchtbar vor. Die vielen negativen Rezensionen konnte ich zwar nachvollziehen, aber habe sie nur teilweise geteilt. Ja, ich war nicht begeistert und hätte es niemanden empfohlen, aber für mich war es immerhin ganz okay. Je mehr ich jedoch darüber nachdachte, wurde diese immer schlechter. Als ich am nächsten Tag meinem Freund meine Meinung kundtat,  habe ich mich ein wenig in Rage geredet. Mir fehlte ganz einfach der größere Sinn und ein sympathischer Charakter. Alle Charaktere waren unsympathisch und depressiv. Jeder Charakter ist verzweifelt und psychisch labil. Es hat leider keinen Spaß gemacht mit den Protagonisten ans Meer zu fahren. An einem Punkt hatte ich mir sogar gewünscht, dass einer der Charaktere beim Muschel sammeln im Meer ertrinkt. Vielleicht wäre dann noch ein bisschen Spannung aufgekommen.

Besonders gewurmt haben mich die falschen Versprechungen. Auf der Buchrückseite preist beispielsweise Joachim Lottman: "Schnoddrig, überlegen, witzig, respektlos - endlich eine neue Stimme in der deutschsprachigen Popliteratur!" und innen steht "Wir kommen ist ein radikales Buch, rasend komisch in seiner Verzweiflung und poetisch in seiner Grausamkeit.". Tja, irgendwie habe ich davon nichts bemerkt. Es war zwar deutschsprachig, aber das schnoddrige, respektlose oder einfach witzige hat mir gefehlt. Poetisch? Leider nein, leider gar nicht. Ich habe wohl einfach zu viel erwartet und habe ein stummes Kind und viele labile Erwachsene bekommen.

FAZIT
Gerade bei der Bewertung habe ich mich hier schwer getan. Spontan hätte ich dem Buch 2 von 5 Punkten gegeben, aber fand es dann zunächst doch besser als meine anderen 2 Punktbewertungen. 3 Punkte hat das Buch meiner Meinung nach leider auch nicht verdient, weil die restlichen Bücher aus dieser Kategorie meinen Geschmack einfach eher getroffen haben. Für mich passte es einfach nicht zusammen. Im Endeffekt würde ich mich wohl doch für 2 von 5 Punkten entscheiden, weil mich das Buch irgendwie wütend macht, je länger ich darüber nachdenke. Aber in erster Linie werde ich mir irgendwann nach der Messe mal mein Bewertungssystem vornehmen.

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