Mittwoch, 27. Januar 2016

[Rezension] Raum von Emma Donoghue


Vielleicht erinnert sich der ein oder andere an meinen Beitrag über die Plattform Hashtaglove.de. Dort hatte ich bereits verraten, welches Buch bei mir durch den auf Hashtaglove präsentierten Filmtrailer eingezogen ist. Raum von Emma Donoghue wurde verfilmt und ist sogar für die Oscars in einem Monat nominiert. Nachdem ich das Buch gelesen habe, bin ich total gespannt auf den Film, welcher am 17.März.2016 bei uns in die Kinos kommt. Ihr wisst also wo ihr mich Mitte März antreffen könnt.



INFOS ZUM BUCH
Originaltitel: Room
Deutscher Titel: Raum
Autor: Emma Donoghue
Übersetzung: Armin Gontermann
Genre: Roman
Hardcover: 414 Seiten
ISBN: 978-3-492-05466-9 
Verlag:
Bildergebnis für piper verlag

INHALT
Jack's ganze Welt umfasst lediglich zwölf Quadratmeter, die er sich mit seiner Mutter Ma teilt. Er kennt nichts außer den Dingen in Raum. Seine Freunde sind die Möbel und alle Dinge in Raum; seine beste Freundin ist Dora. Dora ist eine Cartoonfigur, welche er immer im Fernsehen sieht. Raum ist für Jack ein Zufluchtsort, denn er kennt nichts anderes. Immer wenn sich die verschlossene Tür öffnet und Old Nick seine Mutter besucht, versteckt sich der kleine Jack im Schrank. Doch mit seinem fünften Geburtstag wird er auch neugieriger und stellt seine Ma vor eine schwierige Entscheidung - es wird Zeit zu flüchten.

COVER
Schlicht und simpel. Genau dieser minimalistische Ansatz kommt bei mir gut an. Das Cover ist ganz in weiß gehalten und der Buchtitel fällt direkt auf. Eine kindliche Schrift hat die vier Buchstaben zu RAUM in vier unterschiedlichen Farben gemalt. Durch leichte Farbkleckse wird das ganze ein wenig aufgelockert. Überhaupt ist das Cover nicht perfekt, sondern mit kleinen Makeln. Einfach wunderschön.

CHARAKTERE
Jack: Er hat sein ganzes Leben in Raum verbracht. Das Buch ist aus seiner Sicht geschrieben und gerade zu Beginn ging er mir auf Grund seiner kindlichen Erzählweise ziemlich auf die Nerven - doch dazu mehr unter Schreibstil. Nach einer Weile hat man sich an Jack gewöhnt und er ist mir doch noch ans Herz gewachsen. Als er nach seiner Flucht das erste Mal auf die Welt trifft, ist von seiner Lebensfreude nicht mehr viel zu spüren. An ihre Stelle tritt Verwirrung und Überforderung. Seine Verwandlung konnte man direkt miterleben und man merkt, dass es für ihn nicht immer leicht war. Ich habe mit ihm mitgefühlt, mit ihm gelacht, mit ihm geweint und mit ihm die Welt in anderen Augen gesehen. Ein tapferer Junge, der unglaublich sympathisch ist.

"Aber jetzt bin ich fünf und weiß alles." ~ S. 136

Ma: Jack's Mutter wurde mit 19 Jahren entführt und lebt seit 7 Jahren in dem kleinen zwölf Quadratmeter kleinen Raum. Anders als Jack, weiß' sie was alles außerhalb vom Raum auf die beiden wartet. Doch für Jack ist sie tapfer und lässt ihn nicht spüren, dass er irgendetwas verpasst. Sie schafft es Jack eine behütete Kindheit aufzubauen. In Freiheit wird sie unglaublich unsympathisch und von ihrem Mut ist nichts mehr zu spüren. In der Welt beschädigen die vielen Eindrücke ihre Psyche und sie schafft es einfach nicht mehr die Fassade aufrecht zu erhalten. Ma ist nicht unbedingt mein liebster Charakter.

"Sie ist ist nicht gemein. Aber manchmal macht sie gemeine Sachen." ~ S. 79

Der Rest: Zunächst erfahren wir nur ein wenig über Old Nick, dem Teufel, dem Entführer. In Freiheit treffen weitere Charaktere dazu. Für diese ist die Situation genauso ungewohnt wie für Jack und man bemerkt die Überforderung auf beiden Seiten. Ma's Familie hat plötzlich ihre Tochter zurück und dazu noch ihren Sohn. Sie geben sich alle erdenkliche Mühe aus der Situation das beste zu machen und für Jack einen tollen Start in die Welt zu bereiten. Jedoch stellt sich dies nicht immer als einfach heraus.

SCHREIBSTIL
Wie bereits erwähnt ist der Schreibstil sehr anstrengend zu lesen. Geschrieben wird aus der Sicht von Jack und somit wurde ein sehr kindlicher Erzählstil gewählt - eben wie ein Kleinkind spricht. Besonders am Anfang hat es mich einiges an Nerven gekostet weiterzulesen und das Buch nicht gegen die Wand zu pfeffern. Die Sprache ist sehr gebrochen und es werden keine Artikel verwendet. Jack isst von Tisch, schläft in Schrank und möchte gerne was kriegen. Ich habe durchgehalten und bin im Endeffekt ganz froh drum. In der Welt kennt Jack plötzlich Artikel und man stellt fest, dass die fehlenden Artikel gewählt wurden, um darzustellen, dass eben alles in Raum, auch die Möbel, seine Freunde sind und nicht einfach nur Gegenstände. Oftmals unglaubwürdig wirken die permanenten Grammatikfehler, wenn Jack plötzlich Fachwörter ohne Ende verwendet und einen Wortschatz verwendet, welcher mit seiner Grammatik nicht zu vereinbaren lässt.

"Wie können die Bilder von Sachen in Fernseher denn in echt sein?" ~ S. 86

Dadurch das man alles aus Jack's Sicht erfährt, versteht man nicht die Hintergründe hinter den Handlungen der anderen Charaktere. Besonders manche Entscheidungen von Jack's Mutter haben mich regelrecht frustriert und ich hätte gerne ihre Beweggründe erfahren. Jedoch wurde diese Erzählweise gewählt, um eben die gleiche Verwirrung wie Jack zu empfinden. Genauso auf die Erklärungen der Mutter angewiesen zu sein wie er selbst. Wenn sie Jack nicht aufgeklärt hat, dann wusste auch der Leser nicht unbedingt bescheid. Natürlich kann man aus vielen seiner Erklärungen Rückschlüsse ziehen, die Jack selbst nicht trifft, aber oftmals bleibt einem nichts anderes übrig als Jack's Darstellungen hinzunehmen.

HANDLUNG
Unglaublich spannend und fesselnd. In Jack's Welt einzutauchen und seine Sichtweisen kennzulernen. Besonders wenn er auf die richtige Welt trifft und feststellt, dass es eben doch mehr "in echt" gibt als nur den zwölf Quadratmeter kleinen Raum. Zwar lernte er durch den Fernseher im Raum bereits einiges, aber er war jedoch überzeugt, dass dies nicht die Realität sein kann. Dennoch fehlten ihm soziale Interaktionen, um sich angemessen zu entwickeln. Seine Mutter hat ihn in vielen Dingen unterrichtet, so dass er in vielen Bereichen mehr weiß' als andere Kinder in seinem Alter, aber in anderen Bereichen fehlt ihm einfach noch sehr viel Erfahrung.

"Wirklich jeden Tag gibt es was Neues." ~ S. 396

Der Höhepunkt der Geschichte ist die Flucht aus dem Raum und anschließend ist die Spannung zunächst raus. Für mich war es dennoch interessant zu lesen wie Jack sich in der neuen Welt zurecht findet und feststellt, dass eben doch vieles aus dem Fernseher der Realität entspricht. Packende Einsichten in das Leben eines 5-Jährigen Jungen, der alles andere als eine normale Kindheit hatte. Es prallen viele neue Eindrücke auf ihn ein, die eben nicht ganz einfach zu verarbeiten sind.


FAZIT
Ein spannendes und außergewöhnliches Buch, welches durch die Anlehnung an reale Fälle - wie beispielsweise Fritzl und Kampusch - nicht ganz einfach zu verdauen ist. Dennoch wirkt die Geschichte völlig eigenständig und keineswegs abgekupfert. Von mir gibt es für das Buch 3 von 5 Sternen, da es stellenweise sehr langatmig ist und es schwer ist durch den gewählten Schreibstil überhaupt erst in die Geschichte reinzukommen. Dennoch gibt es eine klare Leseempfehlung und ich freue mich schon riesig auf die Verfilmung. 

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