Sonntag, 20. September 2015

[Rezension] Lady Africa von Paula McLain

Vor meiner Wanderung auf dem Jakobsweg habe ich "Lady Africa" von Paula McLain gelesen. Da ich jedoch parallel an meiner Hausarbeit für die Uni arbeiten musste, bin ich vor meiner Abreise nicht mehr dazugekommen meine Rezension zu verfassen. Im Flieger nach Spanien musste ich dann natürlich sofort an Beryl Markham und ihr spannendes Leben denken. Zwar bin ich nicht so weit geflogen wie Beryl zu ihrer Zeit, aber dennoch konnte ich den Gedanken an ihren Pionierflug quer über den Atlantik nicht abschütteln.


INFOS ZUM BUCH
Originaltitel: Circling the Sun
Deutscher Titel: Lady Africa
Autor: Paula McLain
Genre: Biografischer Roman
Hardcover: 464 Seiten
ISBN: 978-3-351-03619-5
Listenpreis: 19,95 €
Verlag:
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INHALT
Es wird die Geschichte der Pionierin Beryl Markham, die trotz vieler Rückschläge nicht aufgibt und den Gegenwind in ihrem Leben als Auftrieb nutzt, erzählt. Mit vier Jahren zogen sie und ihre Familie nach Afrika, wo das heutige Kenia ihr Zuhause werden sollte. Nachdem ihre Mutter das rohe Leben auf der Farm ihres Mannes nicht mehr ertrug und gemeinsam mit Beryls Bruder Afrika und somit auch Beryl verließ, hatte sie keinen weibliche Bezugsperson mehr. Sie lernte von ihrem Vater mit Pferden umzugehen und mit dem afrikanischen Jungen Kibii entdeckte sie die Wildnis und konnte ungezwungen im afrikanischen Busch mit den Einheimischen jagen. Für sie hatte der wilde Kontinent keine Grenzen; sie wuchs in einer Welt ohne Mauern auf und fühlte sich frei.

"Miwanzo ist das Suaheliwort für Anfänge. Aber manchmal muss erst alles enden und jedes Licht zischend erlöschen, und man muss den Boden unter den Füßen verlieren, ehe man wirklich etwas Neues beginnen kann." ~ S. 20

Doch bald schon holen sie die gesellschaftlichen Konventionen ein und sie muss lernen in der Kolonialgesellschaft ihren Platz zu finden. Trotz vieler Rückschläge gibt sie niemals auf und findet irgendwie ihren Platz in der Welt. Aus ihr wird eine starke, selbstständige und eher unkonventionelle Frau. Sie wird die erste weibliche Pferdetrainerin mit Lizenz und schon bald wird sie als erste Frau den Atlantik in Ost-West-Richtung überqueren. Sie lebt ein Leben zwischen Farm, Reitsport und britischer Dekadenz. Aber besonders harte Arbeit hat ihr immer Struktur im Leben gegeben und sie hat sich niemals einfache Ziele gesteckt.
MEINUNG
Dieser fiktiv-autobiographischer Roman erzählt wunderbar Beryl Markhams Geschichte. Eine faszinierende Frau, die mir zuvor völlig unbekannt war, aber über die ich noch viel mehr erfahren möchte. Man spürt beim Lesen, dass Paula McLain ebenso gefesselt von Beryl Markham ist, wie ich selbst.

"Dieses Land ist wirklich wundervoll. Ich habe das Gefühl, es könnte aus jedem das Beste herausholen." ~ S. 347

Bereits der erste Satz hat mir sehr gut gefallen. Mit einem guten Anfang konnte Paula McLain mich direkt für sich einnehmen, denn wenn mir ein Buch nach den ersten - sagen wir etwa 50 - Seiten nicht zusagt, dann verliere ich schnell die Motivation weiterzulesen. So finde ich sehr gut, dass in diesem Fall auf einen starken Auftakt gesetzt wurde. Ich fühlte mich direkt nach Afrika versetzt und konnte die glühende Hitze förmlich spüren. Wollte am Liebsten gemeinsam mit der noch jungen Beryl über die schier endlos scheinenden Weiten rennen und diese aufregende neue Welt kennenlernen.

"Ihrer Einschätzung nach war eine Affäre für die Kolonisten genauso ein Muss wie Chinintabletten gegen das Fieber" ~ S. 164

Nach dem ersten Viertel nahm die anfängliche Spannung ein wenig ab. Afrika war nicht mehr neu und so wurde das Augenmerk auf Beryl und die Pferdezucht und ihre Liebschaften gelenkt. Stellenweise war es für mich vielleicht etwas viel, aber auch dies ist ein Teil ihres Lebens gewesen. In einer Zeit voller Tratsch und Klatsch war es Beryl egal, ob die Leute über sie redeten. Sie war auf der Suche nach ihrem Glück und zahlte dafür gerne den Preis. Mit ihren Liebesabenteuern versuchte sie eine Leere in sich aufzufangen und die Einsamkeit mit Hilfe von Liebe zu verdrängen. Aber irgendwie machten ihre Fehltritte sie für mich nur noch menschlicher.

"Indem ich mich jede Nacht in Gedanken an ihre Pflege schlafen legte, schaltete ich meine Zweifel und Ängste so einfach aus, als würde ich das Licht löschen." ~ S. 143 

Gerade der Mittelteil war stellenweise etwas langatmig. Ich habe die ganze Zeit auf die Frau gewartet, die den Himmel bezwang. Doch die Fliegerei wurde lediglich im Prolog, sowie auf den letzten Seiten aufgegriffen. Was für mich etwas schade war, denn ich wollte mehr über die Frau erfahren, die als erste Frau in Ostafrika den Berufspilotenschein erwarb. Doch stattdessen lernte ich viel über die Frau, die als Pferdetrainerin große Erfolge einheimste. Auch wenn mich dieser Teil ihres Lebens weniger interessierte, gehörte er dennoch dazu. Und auch so hat mir ihr Geschichte sehr gut gefallen. Im Internet habe ich gelesen, dass Beryl Markhams eigene Autobiographie "Westwärts mit der Nacht" noch eleganter und intelligenter konstruiert ist. So werde ich in Zukunft auf jeden Fall Beryls eigene Werke lesen, sollte ich an diese herankommen.

"Das Flugzeug war für mich etwas vollkommen Neues. Bei den wenigen Gelegenheiten, in den ich eines hoch über mir erblickt hatte, wie es Rauchwolken in den Himmel malte, war es mir albern und falsch vorgekommen, wie ein Kinderspielzeug." ~ S. 235


FAZIT 
Die von Paula McLain erzählte Geschichte, hat mich einer außergewöhnlichen Frau näher gebracht über deren Welt ich noch viel mehr erfahren möchte. Wer ebenfalls in die Welt dieser Abenteurerin und Freigeist eintauchen möchte, dem lege ich "Lady Africa" ans Herz. Auf jeden Fall ist meine Sehnsucht nun größer endlich einmal ins tiefere Afrika vorzudringen und über Nordafrika hinauszukommen.

"Wir können nicht weiter gehen, als bis zu unseren eigenen Grenzen - wenn auch sonst nichts, so habe ich doch zumindest so viel gelernt." ~ S. 408

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